
Biodynamischer Weinbau
Die Biodynamie gewinnt immer mehr an Bedeutung im Weinbau. Die exzellente Qualität der Weine, die holistische Herangehensweise und die Vorteile für das Ökosystem Weinberg überzeugen Weingüter und Konsumenten auf der ganzen Welt. Wie funktioniert die biologisch-dynamische Lebens- und wirtschaftsweise und wie werden die Prinzipien im Weinbau umgesetzt? In diesem Artikel beantworten wir Ihre Fragen zum Thema Biodynamischer Weinbau und teilen unsere biodynamischen Geheimtipps mit Ihnen.
Biodynamie im Weinbau
Im biodynamischen Weinbau betrachtet man den Weinberg als Ökosystem. Nebst den Massnahmen des Biologischen Weinbaus werden spezifische natürliche Mittel (Biodynamische Präparate und Pflanzenstärkungsmittel) eingesetzt, um die Widerstandskraft der Rebe zu stärken und die Lebensvorgänge im Boden zu unterstützen. Zusätzlichen richten sich die Arbeiten im Rebberg nach dem biodynamischen Kalender.
Mit präpariertem Kompost, einer Gründüngung und möglichst viel Handarbeit unterstützen Winzer die Böden im Rebberg. Auch die Lebensbedingungen für Nützlinge werden somit gefördert.Durch die biologisch-dynamischen Massnahmen entstehen auf Dauer gesündere und robuste Reben, saftigere Früchte und fruchtbarere Böden.
Auch die Weinbereitung erfolgt auf sanfter Weise, und erzielt klare, naturbelassene sowie hochwertige Weine. Perfekt gereiftes sowie gesundes Traubengut ist die Voraussetzung für hochwertige Tropfen, deshalb stehen die Arbeiten im Rebberg im Vordergrund. Wenige bis keine Eingriffe im Keller sind nur dann möglich, wenn das Traubengut die besten Voraussetzungen haben. Wie im Bioweinbau werden keine chemisch-synthetische Pestizide, Kunstdünger und Hilfsmittel verwendet.


Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft
Biologisch-dynamische Landwirtschaftsbetriebe (u.a. biodynamische Weingüter) betrachten ihren Hoforganismus als Kreislaufsystem. Gesunde Beziehungen zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch sind entscheidend für das Wohlbefinden und Fruchtbarkeit des gesamten Systems. Folgende Punkte zeichnen die biodynamische Landwirtschaft aus:
- Aufbau der Humusschicht und fördern der Bodenfruchtbarkeit
- Verwendung biodynamischer Präparate und natürlichen Dünger
- Abwechslungsreiche Fruchtfolge
- Respektvolle und artgerechte Tierhaltung
- Biodynamische Züchtungsarbeit ohne Gentechnologie
- Naturnahe Gestaltung der Landschaft
- Förderung der Biodiversität
- Förderung von Nützlingen
- Berücksichtigung einer Kreislaufwirtschaft
Geschichte der Biodynamie
Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise wurde vom österreichischen Anthroposophen Rudolf Steiner in den 1920er Jahren entwickelt. Zu dieser Zeit standen die Akteure der Landwirtschaft vor der Frage, «Was können wir gegen den Zerfall der Saatgut- und Ernährungsqualität tun?».
Steiner beantwortete die Frage mit einem landwirtschaftlichen Kurs. In seinen Vorträgen vermittelte er Lösungsansätze für die Landwirtschaft sowie seine ganzheitliche Weltanschauung. Im Wesentlichen geht es darum, die Böden zu revitalisieren, um langfristig deren Ertragsfähigkeit zu gewährleisten. Dabei werden Boden, Pflanze, Tier und Mensch als harmonisches Ganzes betrachtet. Auch der Kosmos mit Mond und Sterne spielt eine wichtige Rolle im Lebenskreislauf.
Laut Steiner entstehen kranke und geschwächte Pflanzen durch ein gestörtes Gleichgewicht im Ökosystem. Insbesondere seinen Monokulturen betroffen sowie Pflanzen und Böden die mit chemischen Düngern behandelt werden.
Steiner studierte Naturwissenschaften, Mathematik, Philosophie, Geschichte sowie Literatur in Wien. Nebst dem Konzept der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, gründete Steiner die Waldorf-Pädagogik und die anthroposophische Weltanschauung.

Der biodynamische Kalender
Der Zusammenhang zwischen Pflanzenwachstum und Stand des Mondes sowie Gestirns-Konstellationen wurde schon von den alten Griechen und Ägypter in der Landwirtschaft zunutze gemacht. Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft ging das Wissen jedoch verloren und wurde glücklicherweise durch die biodynamische Bewegung wiederentdeckt.
Der biodynamische Kalender wurde in 1963 von Maria Thun, Pionierin der biodynamischen Wirtschaftsweise, entwickelt. Über fast zehn Jahre forschte die Landwirtin im Bereich der Pflanzenphysiologie und entdeckte wichtige Zusammenhänge zwischen Pflanzenwachstum und Stand des Mondes. Ihre Resultate fasste sie als Handlungsempfehlungen in einem landwirtschaftlichen Kalender zusammen. Auch im biodynamischen Weinbau wird der Kalender verwendet.
Der Kalender beinhaltet folgende Informationen:
- Mondphasen mit auf- und absteigender Mondbahn
- Die Aufteilung in Blatt-, Blüte-, Frucht-, und Wurzeltage
- Günstige Zeitperioden für das Pflanzen, die Pflege und die Ernte
- Sogenannte Knotentage, welche ungünstig für jegliche Gartenarbeit sind
Handlungsempfehlungen für weinbauliche
und landwirtschaftliche Aufgaben
Blütentage sind ruhe Tage im Weinberg, es ist an der Zeit den Weinkeller zu pflegen. Pflanzen, die sich im Blühen ausleben (Blumen im Innen- und Aussenbereich) werden am besten zu dieser Zeit gepflegt. Küchen- und Heilkräuter werden jetzt geerntet.
Blatttage eignen sich für die Ausbringung von Nährstoffen und Wasser im Rebberg. Diese Zeit ist nicht geeignet für die Ernte, sondern eher für Pflegemassnahmen.
Wurzeltage sind ideal für den Rebschnitt. Andere Pflanzen, welche ihre Wurzel zu Speisezwecken ausbilden (Karotten, Randen, Kartoffeln etc.) werden gepflegt. Auch die Bodenbearbeitung und Pflanzungen eignen sich besonders gut an den Wurzeltagen.
Fruchttage eignen sich besonders gut für die Traubenernte sowie die Ernte von anderen Früchten. Pflanzen die Früchte bilden (Getreide, Obst. Beeren, Hülsenfrüchte) sind an diesen Tagen zu pflegen.


Biodynamische Präparate
Anstelle chemischer Pflanzenschutzmittel und künstlichen Dünger werden im biodynamischen Weinbau natürliche Kompost-Zubereitungen verwendet, um Boden und Pflanze zu stärken. Die Zubereitungen, sogenannte biodynamische Präparate, helfen dabei, den Dünger zu vitalisieren und stimulieren das Leben im Boden.
Nur ein gesundes Bodenklima ermöglicht ein kräftiges Wurzelwachstum der Rebe und fördert die Bildung von Humus, ein komplexes Gemisch von organischen Stoffen aus pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Herkunft. Ausreichend Humus im Boden vereinfacht die Wasser- und Nährstoffbindung der Rebe.
Das Resultat? Gesunde und starke Reben, die schlechte Witterungsphasen wie Trockenheit und Krankheiten besser überstehen können. Auch die Speicherung von CO2 wird gefördert und ist damit ein aktiver Beitrag gegen den Klimawandel.
Kompostpräparate
Die Kompostpräparate werden aus den Blüten von spezifischen Pflanzen hergestellt. Nach der Lagerung und Gärung in tierischen Hüllen, werden die Blüten bei allen organischen Wirtschaftsdüngern (Mist, Gülle oder Jauche), pflanzlichen Komposten, sowie bei zugekauften Wirtschaftsdüngern (Erden, Substraten) zugesetzt.

Schafgarbe
Fördert die Kaliumwertung der Pflanze und hilft Pflanze und Erde, Substanzen aus der Umgebung aufzunehmen.

Brennnessel
Fördert die Kalium- und Calciumprozesse sowie sämtliche andere Funktionen im Boden die für das Pflanzenwachstum wichtig sind.

Löwenzahn
Unterstützt die Silicium- und Kaliumabläufe in Pflanze und Boden.

Kamille
Fördert die Calciumprozesse und damit die physiologischen Abläufe in der Pflanze. Zusätzlich stabilisiert Kamille den Stickstoff im Dünger und im Boden und sorgt somit für eine beständige Stickstofffreigabe.

Baldrian
Unterstützt alle Phosphorprozesse zwischen Pflanze und Boden.

Eichenrinde
Fördert die allgemeine Pflanzengesundheit sowie die verschiedenen Calciumprozesse.
Feldspritzpräparate
Die Kompostpräparate werden aus den Blüten von spezifischen Pflanzen hergestellt. Nach der Lagerung und Gärung in tierischen Hüllen, werden die Blüten bei allen organischen Wirtschaftsdüngern (Mist, Gülle oder Jauche), pflanzlichen Komposten, sowie bei zugekauften Wirtschaftsdüngern (Erden, Substraten) zugesetzt.

Biodynamische Verbände
Betriebe haben die Möglichkeit, ihre biodynamische Arbeitsphilosophie von Verbänden wie demeter, respektBIODYN oder BIODYVIN zertifizieren zu lassen. Demeter ist der grösste und weitverbreitetste Verband für die Zertifizierung. Mittlerweile haben einige Weingüter bei amiata die Zertifizierung erhalten und andere sind in der Umstellung, d.h. erst die neusten Jahrgänge sind biodynamisch zertifiziert. Gewisse Bioweingüter arbeiten nach biodynamischen Prinzipien, jedoch ohne Zertifizierung.
Biodynamische Weingüter bei amiata
Immer mehr biologische Weingüter gehen einen Schritt weiter und setzen auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Manche arbeiten schon seit Jahren biodynamisch und haben den Schritt zur Zertifizierung abgeschlossen, andere Weingüter sind noch in der Umstellung.

Château Mourgues du Grès
Costières de Nîmes – Südfrankreich
Das Winzerpaar Anne und François Collard pflegt zusammen mit ihrem Sohn Romain ihre Weinberge in den mit grosser Leidenschaft und Hingabe. Vom fruchtigen Tischwein bis zum grossen Lagenwein – bei allen zeigen sich die hohen Qualitätsansprüche.
Geyerhof
Kremstal – Österreich
Der Geyerhof liegt im niederösterreichischen Weinbaugebiet Kremstal. Seit dem 16. Jhd. ist der Hof, der bereits im 12. Jhd. erstmals urkundlich erwähnt wurde, in Familienbesitz. Seit 1988 werden die 23 ha Rebflächen von Ilse und Josef Maier aus Überzeugung biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Damit gehört der Betrieb zweifelsohne zu den Biopionieren in Österreich.
Valcaliente
Rioja – Spanien
Die Familie Ruiz Jimenez erzeugt Wein schon seit Generationen. Das Weingut Valcaliente wurde 1998 gegründet und ist das erste biologisch und Demeter zertifizierte Weingut im Rioja. Die Überzeugung und Freude am biodynamischen Arbeitsprozess und am resultierenden Produkt ist bemerkenswert – ja sogar ansteckend!
Château Manissy
Lirac, Châteauneuf-du-Pape – Südfrankreich
Seit 2003 bewirtschaftet der Winzer Florian André die Weinberge von Château de Manissy in den Appellationen Tavel, Châteauneuf-du-Pape, Lirac und Côtes du Rhône. 2009 wurde die Umstellung auf Bio erfolgreich abgeschlossen und 2017 erhielt das Weingut die Demeter-Zertifizierung. Die Qualität der Weine ist beeindruckend und widerspiegelt die passionsvolle Arbeit im Rebberg und Keller.
El Lagar de Moha
Rueda – Spanien
Das Winzerpaar Angeles Ortega und Alberto Moro sind Spezialisten in Sachen Weisswein. Ihren aromatischen Verdejo und saftigen Sauvignon Blanc werden mit den eigenen Hefen vergoren und im Stahltank ausgebaut. Das kleine Weingut ist das erste demeter-zertifizierte Weingut in der Appellation Rueda DO.
Vignoble Anne Collard
Côtes du Rhône – Südfrankreich
Anne Collard von Château Mourgues du Grès hat ihr persönlicher Traum erfüllt und ein eigenes Weingut aufgebaut. Die gelernte Geografin hat eine Vorliebe für die Grenache-Traube und zaubert mit ihren Assemblagen traumhauft-zugänglichen Rotweine aus den einheimischen Rebsorten.




