Schweiz

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Gipfelerlebnis aus dem Keller

Entkorkt von Beda Hanimann, St. Galler Tagblatt

Der Sächsmoor ist ein Berggipfel im Sarganserland. Manch einer wird ihn, unwissentlich wohl, beim Skifahren in den Flumserbergen von der Piste aus schon bewundert haben. 2196 Meter hoch ist er, Bergsportler teilen ihn der Kategorie «schwieriges Alpinwandern» zu und bilanzieren: «Kurze, aber steile Kraxeltour auf einen wunderbaren Aussichtsbalkon.» Seit wenigen Jahren steht der Name Sächsmoor auch für einen Wein. Seine Koordinaten: AOC St. Gallen, 12,5 Volumenprozent, Assemblage aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Jura und Cascade.

Grosser Wein mit wenig Alkohol

Die Anspielung ist berechtigt. Der Sächsmoor ist ein Gipfelpunkt heimischen Weinmachens. Säure, Liebreiz, Kraft, Intensität, Würzigkeit: Alles ist da, aber immer im Kontext eines stimmigen Ganzen – und ohne dass Konturlosigkeit die Folge wäre. Nach einem eher leichten, beschwingten Auftakt in der Nase entfaltet sich am Gaumen bald ein fülliger Körper. Der Wein liegt geschmeidig im Mund wie eine flüssige Kugel mit einem würzigen Kern und einer lieblich-säuerlichen Couverture. Ein grosser Wein, der mit seinen lediglich 12,5 Volumenprozent auch beweist: Klasse hat nichts zu tun mit Alkohol-Protzerei. Und auch nicht mit Tannin-Spektakel.

Sulfite und Liebe

Hinter diesem Weinwunderwerk aus dem Walenseegebiet steht die Weinkellerei Bosshart + Grimm in Berschis, deren drei Hektaren Weingärten zwischen Sargans und Quinten liegen. Der Pionierbetrieb in Sachen Schweizer Bioweinbau arbeitet mit zahlreichen pilzwiderstandsfähigen Sorten (sogenannten Piwi-Reben), vernachlässigt aber auch die klassische Traube der Region nicht. Der Blauburgunder-Barrique Brisi präsentiert sich nicht minder grandios als der Sächsmoor. Beide gehören zur «Selektion Amiata», welche für die St. Galler Bioweinhandlung Amiata entstanden ist.

Zurück zum Sächsmoor: Der 2011er profitierte von einem warmen und trockenen Frühling, einem wüchsigen Sommer und einem traumhaften Herbst, wie Bruno Bosshart sich erinnert. Die Herausforderung im Keller sei gewesen, genügend Frische und Frucht zu bewahren und Tannine zuzulassen im Vertrauen auf die Zeit. Er hat sie gemeistert – nicht nur mit önologischer Fachkenntnis. Der gesetzlich vorgeschriebene Hinweis wird bei Bosshart +Grimm neckisch erweitert: «Enthält Liebe & Sulfite» steht auf allen Etiketten.

Mehr zu den Bioweinen von Bosshart + Grimm

Der Sächsmoor 2196 m liegt südlich vom Walensee