Catalunya & Walensee

Albet i Noya & Bosshart + Grimm

Albet i Noya & Bruno Bosshart: Gipfeltreffen zweier Pioniere

Bericht von Christoph Schäpper

Der kleinste und der grösste Winzerpartner von amiata treffen sich in einem Rebberg über dem Walensee und entdecken dabei viel mehr Gemeinsamkeiten als erwartet. Doch vorerst einmal zu den Unterschieden. Bei Bosshart +Grimm werden gerade mal 3.5 ha Reben an vier Lagen vom Walensee bis Sargans bewirtschaftet. In Katalonien pflegt Albet i Noya 80 ha selbst und kauft von Winzern aus weiteren 80 ha Trauben dazu. Damit ist Albet i Noya in Spanien ein mittelgrosser Familienbetrieb. Der zweite grosse Unterschied ist das Klima. Die Region am Walensee befindet sich in einer gemässigten Klimazone. Der See und der Föhn führen zu etwas höheren Temperaturen als in den umliegenden Regionen. Die Niederschlagsmenge liegt bei 1350 mm pro Jahr, in Katalonien bei rund 500 mm. Das Klima dort ist mediterran und von heissen Sommer sowie milden Winter geprägt.

Spektakuläre Reblagen

Beim Gang durch die Steillagen bei Quinten am Walensee ist sofort klar weshalb hier nicht grossflächig angebaut wird. Die Bewirtschaftung ist nur mit aufwändiger Handarbeit möglich und der Ort nur per Schiff erreichbar. So werden die Trauben bei der Ernte per Schiff in die Kellerei gebracht. Josep-Maria kennt ähnlich steile Lagen von seinem Weingut Mas Igneus im Priorat. Die Rebgärten vonBosshart + Grimm haben den Winzer, der schon viel Rebberge auf der ganzen Welt gesehen hat, schwer beeindruckt. Was hier auf kleinstem Raum entsteht verdient grösste Anerkennung.

Die Zukunft des Weinbaus?

Im biologischen Anbau werden Pilzkrankheiten mit Produkten wie Tonerde und Schachtelhalmextrakten behandelt, aber auch kupfer- und schwefelhaltige Mittel sind, wenn auch in limitierten Mengen erlaubt. Verboten sind chemisch-synthetische Spritzmittel. Pilzwiderstandsfähige Traubensorten (PIWI) sind eine Lösung, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Bruno Bosshart war einer der ersten, der konsequent mit neuen Sorten experimentiert hat. Mit dem Seyval Blanc und dem Saphira produziert er heute zwei hochwertige Weissweine. Oder haben Sie schon einmal den «Sächsmoor» probiert? Eine einmalige Weinpersönlichkeit!
Bei Albet i Noya laufen auch schon seit mehreren Jahren Versuche mit resistenten Traubensorten. Josep-Maria möchte das Ganze weiter voranbringen. Dafür hat er die bekannte Spezialisten und den katalanischen Weinverband ins Projekt mit einbezogen. Bei einem riesigen asiatischen Betrieb, ausgerechnet von Red Bull, sollen Grossversuche stattfinden. Dies ist interessant, weil dort der Feuchtigkeitsdruck besonders hoch ist. Für eine ökologischere Landwirtschaft gibt es keine Berührungsängste.

«Next Generation»

Matthias Grimm und Philipp Bosshart ergänzen sich ideal. Sie haben bereits viel Verantwortung im Betrieb übernommen. Ihr Ziel ist es weiter an der Qualität zu schleifen und den Betrieb auf 6 ha zu erweitern. Die Freude an den einmaligen Lagen am Walensee ist förmlich spürbar und die Zukunft für den Betrieb ist garantiert. Martì Albet i Noya studiert Önologie an der Universität von Tarragona. Nach dem Abschluss möchte er einige Jahre auf verschiedenen Betrieben arbeiten. Auch bei Albet i Noya scheint also die Nachfolge geregelt zu sein.


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