Plädoyer für den Primitivo

Wein-Keller von Peter Keller

Es sei nicht verschwiegen: Primitivo zählt nicht zu  meinen bevorzugten Rebsorten. Zu viele schwerfällige, marmeladige Weine aus Massenproduktion dieser Sorte werden im Handel und in Restaurants angeboten – etwas für Kampftrinker, aber nichts für Geniesser, die Wert auf Zwischentöne legen.

Die ursprüngliche Heimat des Primitivo, der eine Ähnlichkeit mit dem kalifornischen Zinfandel aufweist, befindet sich in Süditalien, genauer gesagt in der apulischen Gegend von Gioia del Colle. Hier ist das kleine Familiengut Plantamura zu Hause, das eigene Vorstellungen zur Sorte hat. Mariangela Plantamura und ihr Ehemann Vincenzo Maggialetti sind überzeugt, dass sich die in diesem hügeligen Anbaugebiet vorherrschenden Kalk- und Lehmböden ideal für die früh reifenden Primitivo-Trauben eignen und Weine ergeben, die weniger mit Kraft, dafür aber mit mehr Eleganz brillieren.

Ihr Konzept ist einfach: Der lediglich acht Hektaren grosse Betrieb konzentriert sich ausschliesslich auf den Primitivo. Die übersichtliche Struktur des Guts erleichtert die Aufgaben. Für Mariangela Plantamura liegt das Geheimnis für hochwertige Weine in den Reben. Dementsprechend werden alle Arbeiten vom Schnitt bis zur Ernte von Hand ausgeführt. Eine biologische Bewirtschaftung ist selbstverständlich. Und im Keller verweigert sich die Winzerin gewissen modernen Errungenschaften, wie der Einsatz einer alten Holzpresse zeigt.

Was taugen die Weine? Das Gut konzentriert sich auf drei Typen, die sich voneinander abgrenzen. Die Degustation hat dies bestätigt und gezeigt, dass der Primitivo mehr als standardisierte Durchschnittsware sein kann. Der im Stahltank ausgebaute Basiswein Parco Largo ist fruchtbetont, frisch, elegant und wird vom Importeur gar als Sommerwein angepriesen (Fr. 15.80, www.amiata.ch). Der kräftigere, dichte Primitivo Contrada San Pietro (Fr. 19.80) reift je ein halbes Jahr im Stahltank und im kleinen Holzfass.
Der beste und ambitionierteste Wein ist die Riserva, die ein Jahr im Barrique liegt. Der volle, konzentrierte, samtige, ausgewogene 2011er zeigt keinerlei Spuren einer Überreife (Fr. 24.80).
Fazit: So gefällt der verschmähte Primitivo. Plantamura produziert keine Marmelade, sondern «trinkige», klare Rotweine.

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Copyright: NZZ am Sonntag, 20. Juli 2014, mehr Wein-Infos von unserem Experten Peter Keller finden Sie online auf www.wein.nzz.ch