Naturweine

Naturweine - natürlich oder einfach nur trendig?

Der Begriff «Naturwein» ist ähnlich wie «vegan» in aller Munde. Für die einen ist es die einzig wahre Antwort auf standardisierte Industrieweine, für andere sind es übel riechende Marketingprodukte, untrinkbar und verstörend.

Was verbirgt sich tatsächlich dahinter? Sind Naturweine nur eine Modeerscheinung oder gar die Zukunft des Weinbaus? Wir wollten es genauer wissen und haben während zwei Jahren zahlreiche sogenannte Naturweine verkostet und viele Gespräche mit Winzern, Fachleuten und Weingeniessern zu diesem Thema geführt. 

Ein Begriff, der vieles offen lässt

Als «Naturwein» oder «Orange Wines» werden in der Regel Weine bezeichnet, die möglichst ohne Zusätze und mit wenig Kellertechnik produziert werden. Fälschlicher- weise werden Naturweine manchmal auch mit Bioweinen gleichgesetzt. Im Gegensatz zum Biowein ist aber der Begriff Naturwein weder gesetzlich geschützt noch geregelt. Einige Weine stammen aus biologischem Anbau, andere nicht, sie werden ohne Schwefel ausgebaut, aber nicht zwingend, es wird filtriert, manchmal auch nicht, auf Zusatzstoffe wird meistens verzichtet, aber auch dies ist nicht verbindlich. Bei der Erklärung des Begriffs «Naturwein» bleibt viel Spielraum.

Schmeckt Naturwein anders, besser?

Einige unserer Winzer machen seit vielen Jahren Versuche mit Weinen, die ohne Schwefel ausgebaut werden. Darunter haben wir immer wieder solche verkostet, die fruchtig und sauber vinifiziert wurden und in der Jugend auch Freude machten. Leider entwickelten viele unter ihnen innerhalb von Monaten mehr oder weniger oxidative Noten. Vor allem in schwierigen Jahren kamen grünliche Noten dazu, welche die Harmonie stören. An verschiedenen Weinmessen haben wir weitere «Naturweine» verkostet. Selten hat uns ein Wein begeistert, nicht wenige waren, höflich ausgedrückt, eine Herausforderung oder schlicht fehlerhaft. Einige wenige haben ein schönes Potenzial gezeigt. Für eine fundiertere Einschätzung fehlt uns derzeit noch die Langzeiterfahrung.

Der Konsument wird entscheiden

Ähnlich wie «vegane» Lebensmittel erleben auch Naturwei- ne im Moment einen gewissen Zulauf. Lebensmittelskandale, eine schlechte Tierhaltung und die fortschreitende Um- weltzerstörung sind wichtige Gründe dafür. Dazu kommt ein Marketing mit recht angriffigen und teilweise fast dogmatischen Aussagen von Winzern und Weinhändlern, welche die Einzigartigkeit von Naturweinen anpreisen. Es gibt aber auch Stimmen, die bereits wieder rückläufige Tendenzen sehen.

Für den Konsumenten wären eine klarere Definition vom Begriff Naturwein und entsprechende Richtlinien hilfreich. Schliesslich müssten einem die Weine munden, denn Geschmacksfehler als Willen der Natur werden von Weinliebhabern längerfristig wohl kaum goutiert. 

Grundsätze für die amiata-Selektion

Für die amiata-Selektion suchen wir authentische, saubere und harmonische Weine, die das Terroir, die Traubensor- te und die Handschrift des Winzers erkennen lassen. Je natürlicher und umweltschonender der An- und Ausbau, desto besser. Damit dies für den Kunden auch nachvoll- ziehbar ist, stammen alle Weine von amiata aus kontrolliert biologischem Anbau. Schwefel als Konservierungsmethode sowie die Filtrierung für die Stabilisierung und Haltbarkeit der Weine sind dabei ausdrücklich erlaubt. Die zugelassene Schwefelmenge ist bei Bioweinen deutlich tiefer als bei kon- ventionellen Weinen und wird in Richtlinien festgelegt und kontrolliert. Viele Rotweine der amiata-Selektion werden weder geschönt noch filtriert. Leichtere rote Tisch- und Weissweine werden in der Regel mechanisch filtriert, damit sie entsprechend fruchtig und stabil bleiben. Wir befürworten ökologische Verbesserungen in allen Prozessen. Im Zentrum steht dabei ein nachhaltiger Genuss. Der «Nature» von Clos du Caillou ist ein leuchtendes Beispiel dafür. Ohne Schwefel verarbeitetet ist er eine wunderbare Ergänzung der amiata-Selektion.

Ohne Schwefelung und richtig gut!

Le Clos du Caillou, Nature

Seit 2011 wird bei Le Clos du Caillou eine Cuvée ohne Schwefel von der Vinifikation bis zur Abfüllung ausge- baut. Le Clos du Caillou, das zu den renommiertesten Weingütern im Rhône-Tal zählt, will sich keine Wein- fehler und Risiken erlauben und produziert den Wein mit entsprechender Akribie. Wir haben kürzlich den 2011er nachverkostet und festgestellt, dass er noch voller Spannung ist und sich erstaunlich gut hält.

Der günstige Wetterverlauf hat im Jahr 2015 zu ausge- wogen reifem und gesundem Traubengut geführt. Bei der Handlese wurden nur perfekt gereifte Trauben geerntet und zusätzlich beim Transport mit Trockeneis geschützt. Der Wein wird während 14 Tagen im Stahltank vergoren (Kohlensäuremaischung) und danach gepresst. Bereits im Januar wurde der «Nature» filtriert und abgefüllt. So macht Naturwein auf jeden Fall Freude!

Ein gesunder, lebendiger Rebberg ist die Grundlage für hochstehende Weine.
Mit einer sauberen Kellertechnik und dem Wissen des Winzers können Weine entsprechend natürlich ausgebaut werden.
Bei amiata steht ein gesamtheitliches Denken im Vordergrund: Hochwertiger Genuss aus einer möglichst gesunden Natur.
Clos du Caillou Nature
(ohne Schwefel ausgebaut)